LIMINAL SPACES
Abstraktion als Sprache des Dazwischen
Nun hängt sie also. Unsere Ausstellung im Haus der Kunst in Baden ist eröffnet.
Und ja: Eigentlich wollte ich diesen Blogbeitrag schon viel früher schreiben. Vor der Vernissage. Mitten in den Vorbereitungen. Aber wie das bei Ausstellungen so ist, kommt dann eines zum anderen: Bilder auswählen, wieder verwerfen, Rahmen kontrollieren, Transporte organisieren, Texte abstimmen, Katalog gestalten, hängen, umhängen, Licht richten … und irgendwann ist plötzlich Eröffnung.
Vielleicht passt das aber sogar ganz gut zu Liminal Spaces. Denn diese Ausstellung beschäftigt sich genau mit solchen Zwischenzuständen: mit Übergängen, mit dem Noch-nicht-Fertigen und dem Nicht-mehr-Ganz-so-wie-vorher.
Was ist eigentlich ein „Liminal Space“?
Der Begriff liminal bezeichnet einen Schwellenzustand. Einen Raum dazwischen. Dort, wo etwas Vertrautes endet und etwas Neues noch nicht eindeutig begonnen hat.
Genau diese Bereiche interessieren Karin Reiter und mich, obwohl wir malerisch sehr unterschiedlich arbeiten.

Karins Arbeiten sind nicht für den flüchtigen Blick gemacht. Sie erschließen sich erst im längeren Betrachten, wenn feine Verschiebungen, Überlagerungen und Veränderungen im Bildraum wahrnehmbar werden. Gerade diese verlangsamte Wahrnehmung macht ihre besondere Spannung aus.

Meine Bilder entstehen stärker aus dem Aufeinandertreffen von Gegensätzen. Bei mir treffen Ruhe und Dynamik, Ordnung und Auflösung, Linie und Fläche aufeinander. Für mich entstehen gerade dort die spannenden Momente eines Bildes: zwischen den Polen.
Zwei Positionen – ein gemeinsamer Raum
Bei der Vorbereitung der Ausstellung war uns wichtig, unsere Arbeiten nicht einfach in zwei voneinander getrennten Bereichen zu präsentieren. Viel interessanter erschien uns die Frage: Was passiert, wenn die Bilder miteinander in Beziehung treten?
So hängen Arbeiten ähnlicher Formate nebeneinander, reagieren Farben, Linien, Flächen und Leerstellen aufeinander. Manche Verbindungen erkennt man sofort, andere erst beim zweiten oder dritten Blick.
Und manchmal entsteht etwas, das weder Karin noch ich geplant haben.
Genau das gefällt mir an dieser Ausstellung besonders.
Denn ein Bild existiert für mich nie ausschließlich für sich. Es verändert sich durch den Raum, durch die Arbeit daneben – und natürlich durch die Person, die davorsteht.
Ein Werk. Ihr Blick. Was entsteht dazwischen?
Deshalb wollen wir auch die Besucherinnen und Besucher ein wenig ins Ausstellungskonzept hineinholen.
Während des Rundgangs laden wir dazu ein, jenes Werk zu fotografieren, das einen festhält, irritiert, berührt oder aus irgendeinem Grund nicht gleich wieder loslässt. Über einen Link kann man uns anschließend die Werknummer und, wenn man möchte, einen kurzen Gedanken dazu hinterlassen.
Es geht dabei um keine Abstimmung und schon gar nicht darum, das „beste“ Bild zu finden.
Uns interessiert etwas anderes: Was entsteht zwischen Werk und Betrachtung?
Denn dieses Dazwischen entsteht erst dort, wo Werk und Betrachtung miteinander in Beziehung treten.
Nach der Vernissage wird es ruhiger
Die Eröffnung ist inzwischen vorbei – ein Abend mit vielen Begegnungen, Gesprächen und Eindrücken. Darüber werde ich vermutlich noch gesondert berichten, sobald auch die Fotos bei mir eingetroffen sind.
Jetzt beginnt aber eine Phase, die ich bei Ausstellungen mindestens genauso mag: Die Räume werden ruhiger. Man kann stehen bleiben. Noch einmal zurückgehen. Ein Bild länger betrachten, ohne abgelenkt zu werden. Man entdeckt Zusammenhänge, die bei einer Vernissage mit vielen Besuchern leicht untergehen.
LIMINAL SPACES ist noch bis 27. September 2026 im Haus der Kunst in Baden zu sehen.
Vielleicht kommen Sie vorbei und entdecken Ihr eigenes Dazwischen.
Ich bin am 22., 23. 9. und 26.9. von 10 bis 14 Uhr und 15 bis 18 Uhr persönlich anwesend. Öffnungszeiten: Di–Fr, 10 bis 14 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Sa–So von 11 bis 17 Uhr
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